OBS Uplengen

Trainingsraumkonzept

 

Situation an der Haupt- und Realschule Uplengen im Schuljahr 2000 / 2001


"Die Schule wird zu einer Spielwiese für schlecht erzogene Kinder", sagte ein Lehrer auf einer Dienstbesprechung am 29. Januar 2001. Das war die Geburtsstunde des Trainingsraumkonzepts an der Schule Uplengen. Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer beklagten sich über einzelne Schüler, die versuchten, Unterrichtsstunden durch Störungen und mangelndes Interesse gänzlich kaputt zu machen. Diese Schüler verlangten die gesamte Aufmerksamkeit des Lehrers, sodass dieser sich mehr um diesen Einzelnen als um die Realisierung der Unterrichtsinhalte kümmern konnte. Zudem litt das Klassen- und Arbeitsklima.

Die empirische Unterrichtsforschung (s. Mischke/Kniper, Theorie des Unterrichts, Beltz-Verlag, 2006) zeigt, dass guter Unterricht straff organisiert und zielorientiert ablaufen muss. Sich ständig mit störenden Schülern im Unterricht zu beschäftigen, mindert den Lernzielerfolg und verhindert, dass die Mitschülerinnen und Mitschüler ihre potentiellen Leistungen ausschöpfen können. In der oben genannten Dienstbesprechung wurde aufgelistet, welches Schülververhalten besonders stört: - Verspätetes Erscheinen - Ständiges Dazwischenrufen - Schüler laufen ohne Erlaubnis im Klassenraum herum - Mangelnder Respekt gegenüber den Mitschülern und Lehrkräften - Boykottieren des Unterrichts - Reden mit dem Nachbarn - Fehlende Höflichkeit oder Beleidigungen - Mangelnde Bereitschaft zuzuhören.

Theoretische Voraussetzungen zum Gelingen eines Trainingsraumkonzepts:

1. Notwendigkeit feststellen

2. Einigkeit im Kollegium herstellen

3. Gespräch mit der Schulaufsicht

4. Gespräch mit dem Schulelternrat

5. Vereinbarung zwischen Schule, Schulaufsicht und Schulelternrat

6. Kooperationspartner oder "Helfer" einbeziehen [In unserem Falle ist es DR. WOLFGANG MISCHKE von der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg.]

6. Wer ist ständiger Ansprechpartner in der Schule und für Interessierte? [Für Fragen, die wir gerne beantworten, bitte Kontakt mit der Schule aufnehmen.]

 

 

Trainingsraumkonzept

 

 

Weitere Voraussetzungen eher praktischer Art

1. Raum muss vorhanden sein
2. Woher werden die Stunden für die Besetzung des Trainingsraums genommen?
3. Wer erteilt die Stunden im Trainingsraum?
4. Abgestimmtes Konzept der Lehrkräfte und Sozialpädagogen zur "Behandlung" der Schülerinnen und Schüler, die in den Trainingsraum geschickt werden

 


Das pädagogische Konzept des Trainingsraums 1)

Allgemein

Die Idee, einen Trainingsraum für verhaltensauffällige Schüler zu schaffen, stammt von dem Amerikaner EDWARD E. FORD. FORD entwickelte dafür das Programm "Responsible Thinking Process Program". Grundlage für FORD bildete die Wahrnehmungskontrolltheorie von WILLIAM T. POWERS. In Deutschland wird das Ford-Programm "Eigenverantwortliches Denken in der Schule - ein Trainingsprogramm zur Lösung von Disziplinproblemen" genannt. Erstmals angewandt wurde das "Ford-Programm" 1994 in Phoenix, Arizona. 1996 übernahmen die ersten deutschen Schulen dieses Programm und passten es ihrem Schulprofil an.

 


Das Trainingsprogramm

Mit der Einrichtung des Trainingsraumes werden zwei wesentliche Ziele verfolgt. Erstens sollen die lernbereiten Schüler/innen vor Unterrichtsstörungen geschützt und ihnen ein ruhiger Unterricht ermöglicht werden. Zweitens soll den störenden Schülern Hilfe angeboten werden. Die Hilfsmaßnahmen sollen darauf ausgerichtet sein, das Sozialverhalten der störenden Schüler/innen zu verbessern und ihnen notwendige soziale Schlüsselqualifikationen zu vermitteln. ... Der verhaltensauffällige Schüler muss sein Verhalten freiwillig ändern wollen, ansonsten führt die Hilfsmaßnahme keine Verhaltensänderung herbei und ist nur eine Bestrafung. Ein Erfolg oder ein Fortschritt kann vom Trainingsprogramm nicht garantiert oder erzwungen werden, es ist von der Einsicht der Nutzer abhänig (vgl. BALKE/HOGENKAMP, Drei Regeln reichen aus, in: Friedrich-Jahresheft 2003, S. 3). Die Basis des Konzepts für den Trainingsraum bildet der gegenseitige Respekt zwischen Lehrer und Schüler (BALKE/HOGENKAMP, 2000, S. 1). ... STEFAN BALKE (Eigenverantwortliches Denken in der Schule. Ein Trainingsprogramm zur Lösung von Disziplinproblemen, in: Lernchancen 04/1998, S. 47) schreibt von drei Grundregeln in der Klasse, an die sich alle halten müssen:

1. Jeder Schüler hat das Recht, ungestört zu lernen.

2. Jeder Lehrer hat das Recht, ungestört zu unterrichten.

3. Jeder muss stets die Rechte der anderen respektieren.

 

 

1) RAINER NOWAK, Lehramtsanwärter an der Haupt- und Realschule Uplengen, hat seine Hausarbeit in Pädagogik zur zweiten Staatsprüfung im Januar 2002 dem Trainingsraumkonzept an der Schule Uplengen gewidmet. Aus dieser Arbeit wurde zuvor aus den Seiten 13 u. 14 zitiert und das nachfolgende Ablaufschema zum schulischen Vorgehen in der Klasse und im Trainingsraum (S. 17) entnommen. Der genaue Titel seiner Arbeit lautet: "Ein Trainingsraum für verhaltensauffällige Schüler, pädagogisch sinnvoll oder nur eine Problemverschiebung? - Die ersten Erfahrungen der Haupt- und Realschule Uplengen/Remels mit dem neu eingerichteten Trainingsraum
Ablaufschema zum schulischen Vorgehen in der Klasse und im Trainingsraum mit Erstellung eines Rückkehrplans"

 

 

Prozess